Kompaktbericht – Kann ChatGPT das Engagement von Lernenden steigern?

KI ist längst im Klassenzimmer angekommen. Vielleicht haben auch Sie schon erlebt, dass Schüler:innen oder Studierende im Unterricht auf KI-Chatbots wie ChatGPT zurückgreifen. Doch warum nutzen sie diese Tools – und was bedeutet das für ihre aktive Beteiligung am Lernprozess? Diese Forschungssynthese geht der Frage nach, wie ChatGPT das Engagement von Lernenden beeinflusst. Forschungssynthesen sind wissenschaftliche Übersichtsarbeiten, die mehrere Studien zu einer Thematik synthetisieren.

Dieser Kompaktbericht basiert auf einem systematisches Review mit dem Titel: 

"AI ChatGPT and student engagement: Unraveling dimensions through PRISMA analysis for enhanced learning experiences

von 

Othman Abu Khurma, Fayrouz Albahti, Nagla Ali und Aiman Bustanj zusammengefasst.

Was findet diese Studie heraus? 

ChatGPT steigert Engagement, insbesondere akademisches Engagement, indem es personalisiertes Lernen und sofortiges Feedback ermöglicht. Engagement beschreibt hier, wie aktiv, interessiert und geistig beteiligt Lernende im Unterricht oder beim Lernen sind. Die systematische Literaturübersicht von Abu Khurma und Kolleg:innen (2024) unterteilt Engagement in vier Dimensionen (akademisch, kognitiv, behavioral und psychologisch) die im unter Methodik genauer erläutert werden.

Die Analyse auch vor Schattenseiten: Eine zu starke Abhängigkeit von ChatGPT kann das kritische Denken schwächen und die soziale Interaktion reduzieren. Die Studie zeigt auf, dass KI-Chatbots kein Ersatz für die Lehrkraft ist, sondern ein Werkzeug, das eine neue Balance zwischen technologischer Unterstützung und menschlicher Pädagogik erfordert. 

Methodik 

Abu Khurma et al. (2024) führten eine systematische Literaturübersicht durch. 

  • Datenbasis: Analyse von 16 relevanten und begutachteten Studien aus den Jahren 2020 bis 2023. 
  • Fokus: Untersuchung von vier Dimensionen des Schüler:innenengagements: akademisch, verhaltensorientiert, kognitiv und psychologisch/emotional. 
  • Ziel: Bestimmung der Wirksamkeit von ChatGPT zur Förderung des aktiven Lernens. 

Was versteht die Studie unter „Engagement“? 

Das Review unterscheidet mehrere Dimensionen von Engagement: 

  • Akademisches Engagement: Beteiligung an Lernaufgaben, Bearbeitung von Aufgaben, Leistungsorientierung 
  • Kognitives Engagement: Nachdenken, Verstehen, Problemlösen, kritisches Denken 
  • Behaviorales Engagement: Mitarbeit, Aufmerksamkeit, Teilnahme am Unterricht 
  • Psychologisches/Emotionales Engagement: Motivation, Zugehörigkeitsgefühl, Selbstwirksamkeit 

Ergebnisse 

Die Mehrheit der Studien fokussierte akademisches Engagement (75 %). Seltener wurden kognitives (37,5 %), behaviorales (31,25 %) sowie psychologisches bzw. emotionales Engagement (12,5 %) untersucht. Einige Studien erfassten mehrere Dimensionen gleichzeitig: 

  • Akademisches Engagement (75,00 % der analysierten Studien): ChatGPT unterstützt Schüler:innen bei der Erledigung von Aufgaben, der Prüfungsvorbereitung und dem Verständnis komplexer Theorien. 
  • Kognitives Engagement (37,50 % der analysierten Studien): ChatGPT fördert das forschende Lernen durch das Aufwerfen offener Fragen und unterstützt die Problemlösekompetenz, sofern der Chatbot mit Reflektion genutzt wird. 
  • Verhaltensorientiertes Engagement (31,25 % der analysierten Studien): Besonders beim Sprachenlernen und durch die 24/7-Verfügbarkeit hilft ein KI-Chatbot Schüler:innen regelmäßig zu lernen und eigenständig zu üben. 
  • Psychologisches Engagement (12,50 % der analysierten Studien): ChatGPT kann Prüfungsängste reduzieren, da es einen "urteilsfreien" Raum für Fragen bietet, in dem Schüler:innen sich nicht für Fehler schämen müssen. 

Risikofaktor: Die Studie identifiziert "Reduced Analytical Thinking" als Gefahr. Dies beschreibt den Umstand, wenn Schüler:innen Lösungen nur noch kopieren, ohne den Sinn dahinter zu hinterfragen. Dies kann metakognitive Fähigkeiten negativ beeinflussen. 

ChatGPT und das Engagement von Lernenden 

Die vorliegende systematische Literaturübersicht von Abu Khurma und Kolleg:innen (2024) untersucht die Auswirkungen von ChatGPT auf verschiedene Dimensionen des Schülerengagements. Um zu verstehen, wie KI-Interaktionen das Schüler:innenengagement beeinflussen, analysierten die Autoren 16 Studien aus den Jahren 2020 bis 2023.   

Was versteht die Studie unter „Engagement“? 

Ein zentrales Element des Reviews ist die differenzierte Betrachtung von Engagement. Engagement beschreibt in der Forschung, wie aktiv, interessiert und geistig beteiligt Lernende im Unterricht oder beim Lernen sind. Die Autor:innen unterscheiden dabei vier in der Bildungsforschung etablierte Dimensionen. Dazu zählt erstens das akademische Engagement, welches sich in der Bearbeitung von Aufgaben, der Leistungsorientierung und der Ausdauer der Lernenden zeigt. Die zweite Dimension ist das kognitive Engagement. Es bezieht sich auf Nachdenken, Verstehen, Problemlösen und kritisches Denken und meint somit die internen kognitiven Prozesse von Lernenden. Behaviorales Engagement umfasst wiederum beobachtbare Aspekte wie Mitarbeit, Aufmerksamkeit und Teilnahme am Unterricht, also das beobachtbare Verhalten von Lernenden. Als vierte Dimension berücksichtigen die Autor:innen psychologisches bzw. emotionales Engagement, welches unter anderem Motivation, Selbstwirksamkeit und ein Gefühl von Zugehörigkeit beschreibt. 

Diese Unterscheidung ist bedeutsam, da ChatGPT nicht alle Dimensionen gleichermaßen unterstützen kann. Während sich vor allem auf der akademischen Ebene deutliche Effekte zeigen, fallen die Befunde zu tiefergehenden kognitiven und emotionalen Prozessen deutlich ambivalenter aus. 

Methodik 

Abu Khurma und Kolleg:innen (2024) erstellten eine systematische Literaturübersicht. 

  • Datenbasis: Analyse von 16 relevanten und begutachteten Studien aus den Jahren 2020 bis 2023. 
  • Fokus: Untersuchung von vier Dimensionen des Schüler:innenengagements: akademisch, verhaltensorientiert, kognitiv und psychologisch/emotional. 
  • Ziel: Bestimmung der Wirksamkeit von ChatGPT zur Förderung des aktiven Lernens. 

Untersuchte Dimensionen von „Engagement“? 

Das Review unterscheidet mehrere Dimensionen von Engagement: 

  • Akademisches Engagement: Beteiligung an Lernaufgaben, Bearbeitung von Aufgaben, Leistungsorientierung 
  • Kognitives Engagement: Nachdenken, Verstehen, Problemlösen, kritisches Denken 
  • Behaviorales Engagement: Mitarbeit, Aufmerksamkeit, Teilnahme am Unterricht 
  • Psychologisches/Emotionales Engagement: Motivation, Zugehörigkeitsgefühl, Selbstwirksamkeit 

Ergebnisse 

Das akademische Engagement nimmt mit 75 % den größten Raum in den untersuchten Studien ein. Hier zeigt sich, dass ChatGPT insbesondere durch die Fähigkeit zur Personalisierung punktet: Der KI-Chatbot erkennt individuelle Lernstile und passt Inhalte sowie Feedback in Echtzeit an die Bedürfnisse der Schüler:innen an. Dies führt dazu, dass Lernende sich intensiver mit den Kursmaterialien auseinandersetzen und Aufgaben effizienter abschließen können. Schüler:innen bearbeiten häufiger Aufgaben, holen sich schneller Rückmeldungen und arbeiten insgesamt selbstständiger. Viele empfinden den Zugang zu Lerninhalten als niedrigschwelliger und weniger frustrierend, da sie jederzeit Fragen stellen und sich Inhalte erneut erklären lassen können. Besonders häufig wird ChatGPT für Erklärungen fachlicher Inhalte, für Unterstützung bei Hausaufgaben, für Zusammenfassungen sowie zur Prüfungsvorbereitung genutzt. 

Im Bereich des kognitiven Engagements (37,5 % der Studien) wird hervorgehoben, dass ChatGPT das forschende Lernen unterstützen kann, indem es Schülern ermöglicht, komplexe Theorien durch interaktive Dialoge zu explorieren. Lernende berichten, dass sie Inhalte besser verstehen und gezielter Fragen klären können. Die Möglichkeit, sich Erklärungen auf unterschiedlichen Niveaus oder in variierenden Darstellungsformen geben zu lassen, wird als hilfreich erlebt. Gleichzeitig treten hier jedoch auch zentrale Risiken zutage. Einige Studien weisen darauf hin, dass die Anstrengungsbereitschaft sinken kann und eigenständiges Problemlösen seltener erfolgt, wenn ChatGPT vorschnell als Lösungsquelle genutzt wird. In diesen Fällen bleibt die inhaltliche Verarbeitung oberflächlich. 

Das behaviorale Engagement (31,25 %) profitiert vor allem von der ständigen Verfügbarkeit des KI-Chatbots, der es Schülern erlaubt, auch außerhalb der regulären Unterrichtszeiten in ihrem eigenen Tempo zu üben, was besonders beim Spracherwerb effektiv sein kann. Einzelne Studien berichten von einer höheren Beteiligung an Lernaktivitäten, häufigerer Interaktion mit Lernmaterialien und mehr Zeit bei der Aufgabenbearbeitung. ChatGPT wirkt hier vor allem als niedrigschwelliger Einstieg in Lernprozesse, der Hemmschwellen abbauen kann. 

Das psychologische Engagement (12,5 %) adressiert die emotionale Bindung zum Lernen. ChatGPT bietet hier einen urteilsfreien Raum, in dem Schüler:innen ohne Angst vor Scham Fragen stellen können, was das Gefühl der psychologischen Sicherheit stärken kann. Die Effekte auf das psychologische bzw. emotionale Engagement fallen schwächer, aber dennoch relevant aus. Teilweise berichten Lernende von geringerer Lernangst, höherer Selbstwirksamkeit und einem stärkeren Gefühl von Kontrolle über den eigenen Lernprozess. Gleichzeitig wird betont, dass ChatGPT keine pädagogische Beziehung ersetzen kann und keine emotionale Resonanz im menschlichen Sinne bieten kann. 

Potenziale und kritische Risiken für den Unterricht 

Die Vorteile von ChatGPT liegen in der sofortigen Rückmeldung und der Reduzierung von Barrieren bei schwierigen Themen. Dennoch warnt die Studie vor den Schattenseiten einer unreflektierten Nutzung. Ein zentrales Problem ist das Risiko einer übermäßigen Abhängigkeit, die dazu führen kann, dass Schüler weniger Kontakt zu Lehrkräften und Gleichaltrigen suchen und ihre sozialen Kompetenzen verkümmern. Weitere Risiken bestehen in einer möglichen Reduktion kritischen Denkens, da Analyse, Bewertung und Perspektivenwechsel seltener stattfinden. Hinzu kommen bekannte Probleme von Bias und Fehlinformationen, da ChatGPT falsche oder verzerrte Inhalte generieren kann. Schließlich werden auch datenschutzrechtliche und ethische Fragen thematisiert, etwa im Hinblick auf unklare Datennutzung und mangelnde Transparenz der Systeme.

TransferTalk

In unserem ersten TransferTalk von Forschung trifft Praxis bieten wir vertiefte Einblicke sowie Raum für Austausch zu diesem Thema:

>>> Informationen zur Veranstaltung hier.

Zur Originalstudie

Abu Khurma, O., Albahti, F., Ali, N., & Bustanji, A. (2024). AI ChatGPT and student engagement: Unraveling dimensions through PRISMA analysis for enhanced learning experiences. Contemporary Educational Technology, 16(2), ep503. https://doi.org/10.30935/cedtech/14334